Matthias Müller

Der Pianist

Konzert in Klein Santersleben mit Flügel, Clavichord und Spinett

Der Pianist

Schon früh entdeckte ich die Liebe zum Klavier. Meinen ersten Klavierunterricht bekam ich bei Edda Töllner in Sandkrug. Sie war eine sehr strenge, doch gute Lehrerin. Da meine Eltern aus den ersten Monaten eine Testphase machten übte ich auf einer Tastatur aus Pappe die ich mir selber gemalt habe. Dann kam eine Melodika dazu, an die ich ein Schlauch anschloss damit ich sie auch auf den Tisch legen konnte.
Ab und an spielte sie mir etwas vor, besonders Schubert. Parallel hinzu kam meine erste eigene Schallplatte von meinen lieben Verwandten aus Berlin/Pankow, damals noch DDR – Schubert. Seine Impromtus wurden dann die ersten schwereren Stücke in meiner Musikerlaufbahn, von der ich bis dahin ja noch nichts ahnte. Später dann hatte ich fast alle Impromtus, Moments musicaux, Tänze und Walzer gespielt.
Schon damals verfolgte mich das Leid des Übens. Leider half es auch nichts, ab und an einmal das Hausaufgabenheft verschinden zu lassen – sie hatte das bessere Gedächtnis.
Da ich wohl trotzdem nicht zu schlecht war konnte ich als Kind schon einigen erwachsenen Anfängern Klavierunterricht geben. Was genauso gut mein Taschengeld aufbesserte wie die Situation, die mich Hals über Kopf in die Organistenlaufbahn schlug:
Meine Klavierlehrerin rutschte vor Weihnachten auf den Stufen ihrer Villa aus und der Heiligabend in Sandkrug schien ohne Organisten da zu stehen.
Ich hatte zwar dann einige Wochen bei ihr zuhause Orgelunterricht am Klavier aber der erste Gottesdienst dann an einem heiligen Abend bei voller Kirche war schon aufregend.
Mit dem Umzug nach Neuenburg im 16. Lebensjahr war es dann dort in Sandkrug vorbei.
Ich spielte noch viel Zuhause auf meinem wunderbar klingenden Grotrian-Steinweg Flügel aber mit Unterricht war erst einmal nichts mehr.
Irgendwann kam ich kurz, wie durch ein Wunder, auf das Gymnasium in Varel auf das ich alles andere wie gut passte. Nur wenige Lehrer mochten meine andere Art viele Dinge zu machen, schreiben oder lösen (wohl, weil ich noch nicht jahrelang als Gymnasiast gedrillt wurde). Ich hatte aber Glück, das der Direktor ein Musikliebhaber war und so kam ich dort im Saal zu den ersten öffentlichen Auftritten als Pianist. Bei einem Kompositionswettbewerb gewann ich eine Reise nach Trier zur Aufführung der Carmina Burana. Wunderbar! Überraschend war, dass auch dort Dr. Ude, der Direktor auftauchte.
Gegen Ende des Schuljahres, es war das 11., lag es schlecht mit den Noten. Damals gab es noch Samstags Unterricht und ich zog es vor, lieber den Gottesdienst für den Sonntag vorzubereiten, als mich Samstags spät noch mit Sportunterricht zu quälen. Damals war ich Organist an der nahe gelegenen Friedenskirche in Varel.
Und ich wollte ja auch nicht den letzten Bus nach Neuenburg verpassen. So kam es also, dass meine Sportlehrerin mich gar nicht kannte und Dr. Ude dafür sorgte, dass vom Kultusministerium aus Hannover ein vornehmer, netter Herr kam um mich anzuhören – Dr. Peter Koch.
Ein Schreiben von ihm brachte mich nach Krumbach in Schwaben an die dort gerade geöffneten Berufsfachschule für Musik.
Nach einem hoffnungslosen Versuch mit einem Klavierlehrer geriet ich dann an den Pianisten Stefan Kaller und dann an den noch heute befreundeten slowakischen Pianisten Pavol Kovac. Schon damals hatte ich ein Fabel für spanische Musik und Rachmaninoff. Da ich sehr viel herumkam forschte ich in vielen Archiven, Bibliotheken und Konzertsälen nach Originaldokumenten.
Durch Kovac wurde ich dann wohl zu einem herausragenden vom –Blatt-Spieler und hatte in den Prüfungszeiten immer eine ganze Menge zu tun. Wer begleitet nicht auch gerne nette oder hübsche Prüflinge?
Später dann war ich 8 Jahre Kantor an der Michaelskirche in München Lochham. Neben der Orgel, die dann kurze Zeit später von meinem Freund dem Orgelbauer Dieter Schingnitz gebaut wurde, widmete ich mich noch viel dem Klavier. Ich hatte das Glück, bei den knallharten Kritikern der Süddeutschen Zeitung immer gut anzukommen und galt als bester Kenner der Musik Rachmaninoffs – was mich dann beim Münchener Merkur zum Konzertkritiker machte. Durch die münchener Stelle pflegte ich Kontakte zu vielen Musikern aus dem In – und Ausland.
Das Klavier betätigte ich noch in sehr vielen verschiedenen Veranstaltungen – Konzerten, Vernissagen, Kammermusikabende, Liederabende mit Rachmanoff-Liedern mit der polnischen Sopranistin Anna Milczarek, Japanische Liederabenden mit der leider supersupergenau arbeitenden Takako Shigahira Saile, spanische Liederabende meinem Freund, dem sevillianischen Tenor Pedro Cuadrado oder auch noch mit unserem Freund, dem bekannten Bariton Carlos Mera-Euler aus Kolumbien. Ebenfalls erzeugte ich ab und an schöne Töne auf Schloß Gödens bei Graf von Wedel.
Den Klavierlehrer am Münchener Konservatorium habe ich vergessen. Am Konservatorium in Augsburg kam ich zu Prof. Mauß. Ich hatte zwar sehr schwere Zeiten mit ihm, aber auch er wusste mir noch einiges bei zu bringen. Aber er vollendete meinen Hass auf die ständig gespielten Werke, die in allen Konzerten und von allen Schülern gespielt werden mussten. Durch meine Reisen habe ich viele wundervolle, unentdeckte Komponisten und ihre Werke mitgebracht. Einige meiner Lehrer nahmen diese später in ihr Repertoire auf. Auch heute noch bekomme ich von ihnen Anfragen nach neuer, interessanter Literatur.
Außer einigen Privatschülern unterrichtete ich mit Beendigung der Studienzeit, es waren immerhin 8 Jahre, auch noch an einigen Musikschulen. Manche Schüler brachten es bei Wettbewerben zu ersten Preisen. Nun denn.
Zudem bin ich irgendwann angefangen, schöne Klavierwerke und Klavierschulen für Kinder zu sammeln und gerne Kinderkonzerte zu geben.
So bin ich denn bis heute auf baskische, spanische und der Musik von Rachmaninoff und Poulenc spezialisiert.
Was meine pianistischen Vorbilder betrifft: An erster Stelle stehen die Originalaufnahmen von Rachmaninoff. Danach folgt W. Horowitz und Artur Rubinstein.
Ich kann aber auch die Originalaufnahmen von Poulenc, M. de Falla, Mompou, J. Rodrigo oder Villa Lobos empfehlen.
Die Liebe zu Horowitz führte mich damals sogar zu seiner Begräbnisfeier und Beisetzung auf dem Mailänder Friedhof.

Konzert mit Cembalo und Orgel in Reepsholt

Noch etwas aus meiner Bäckerei